02. Mai 2013

Roth der Große

Ein fiktiver Gang durch das Niederdorf in Zürich führt zu einer Begegnung des Künstlers Dieter Roth mit Lenin. Roth fühlt sich herausgefordert und bedroht durch Lenins Führerschaft. Umwälzungen stehen bevor, die den Gang nicht enden lassen wollen:

„Das lacht und zuckt wieder gewaltig im Roth, eben etwas speedy, speedy zu zeichnen. Lenins Pilze vor den Glarner Alpen zu zeigen und schön schimmelig aus den Händen quellen lassen oder dessen blitzsauberes Fahrrad, gepflegt wie ein chirurgisches Instrument, mit Schreib kanonen zu versehen und noch Würste darüber zu hängen. Das Fahrrad mit einem Lorbeer von Würsten zu umrahmen. Rothlorbeer für das Leninwürstchen, das jeden Morgen Gymnastik treibt.“

Nils Röller, Roth der Grosse
Klever, 150 Seiten, ISBN 978-3-902665-60-7

Lesung mit Nils Röller am 5. Mai 2013 in der Berliner Volksbühne.
www.volksbuehne-berlin.de 

 

14. Januar 2013

geostationäre Raumfahrt

Ausstellung von Olsen im Wäscherei Kunstverein Zürich

„Zwischen räumlich-visueller und zeitlich-akustischer Regelmässigkeit schafft die Installation ‚geostationäre Raumfahrt‘ von Olsen eine irritierend und zugleich elegant kühl gestaltete Erfahrungsmöglichkeit. Das zentrale, den Raum bestimmende, Objekt der Arbeit ist ein kreisrundes Bett. Es funktioniert als Zeiger, der unterschiedliche Takte übersetzt und erfahrbar werden lässt, und zwar die individuellen Geschwindigkeiten der himmlischen Körper über unseren Köpfen. Welches Objekt am Himmel, ein Satellit, der Mond oder die Venus den Takt bestimmen, das ist in dieser Installation wählbar. Je nach Wahl, wird die mechanische Geschwindigkeit des Himmelskörpers im Ausstellungsraum unterschiedlich spürbar.“ (Nils Röller)

Anschliessend an die ersten Fotos der Mondrückseite (Lunik 3, 1959) nimmt die unmittelbare Erforschung des Kosmos ihren Fortgang. Die Erreichbarkeit der Himmelskörper war bis dahin ein Raumfahrtproblem. Die Frage ob Träume unsere Gedanken und Gefühle (in einem geostationären Schlafgemach) nicht nur beeinflussen, sondern auch steuern können, ist noch klärungsbedürftig.

Die vorliegende Arbeit will durch Mutation menschlicher Sinnesorgane und nüchterne rechnerische Verfolgung aller scheinbar im Wege stehenden Naturgesetze und Vorstellungsschwierigkeiten zu der Erkenntnis beitragen, dass das Universum nie schläft:

Ermöglicht wird eine Nacht im Orbit verschiedener Himmelskörper zum Beispiel im Orbit des Merkur, des schnellsten Planeten in unserem Sonnensystem, oder im Orbit der Werkzeugtasche, welche Heidemarie Stefanyshyn-Piper am 18. November 2008 bei ihren Wartungsarbeiten an der ISS verloren hatte.

Möglich wird diese Reise durch ein drehbares Bett, das als Apparatur dient, um die Leistungsfähigkeit der natürlichen Sinnesorgane des Homo Sapiens zu erhöhen. Neben dem Bett befindet sich ein Monitor, auf welchem sich ein beliebiger Himmelskörper innerhalb und ausserhalb unseres Sonnensystems (Stern, Planet, Satellit, Weltraumschrott) auswählen lässt. Das Bett navigiert in die aktuelle Position des gewählten Himmelskörpers und dreht sich mit diesem mit.

Wäscherei Kunstverein Zürich
Dienerstrasse 70
8004 Zürich

Ausstellungsdauer: 24. – 27. Januar 2013

Vernissage: Mittwoch, 23. Januar 2013, 19 Uhr
Finisage + Weltraumfrühstück Sonntag 27. ab 11Uhr

Übernachtungsmöglichkeiten nach Anmeldung unter: mail@kunstvereinzuerich.ch

23. Dezember 2012

Toxic Play in Two Acts

For their first solo presentation in the UK Boudry/Lorenz present the film installations Toxic (2012) and Salomania (2009) as a ‚toxic play in two acts‘, bringing together performances by Ginger Brooks Takahashi, Werner Hirsch, Yvonne Rainer and Wu Tsang, and a series of slippages between the improvised act and the staged performance in film.

Stepping in and out of suppressed or illegible moments, the Berlin-based artist duo Pauline Boudry/Renate Lorenz stage the actions of individuals and groups living – indeed thriving – in defiance of normality, law and economics. They produce performances for the camera which upset normative historical narratives and inclusions, as queer moments and figures across time are staged, projected and layered.

Curated by Electra

Source: www.southlondongallery.org/page/paulineboudryrenatelorenz

Dececember 14, 2012 – February 24, 2013

South London Gallery
65-67 Peckham Road
London SE5 8UH

22. November 2011

The Status Project – Citizen X

Ein Identity-Workshop mit dem britischen Künstler Heath Bunting

Foto: Annet Wolfsberger

Dienstag, 6. Dezember 2011, 14:00 – 18:30 Uhr
Vertiefung Mediale Künste, Sihlquai 131, 8005 Zürich

  • Der Workshop ist offen für alle Studierende.
  • begrenzte Teilnehmerzahl
  • Anmeldung per Email: mediale.kuenste@zhdk.ch

Unsere Identität als Mensch ist so konstruiert, dass wir eine oder mehrere natürliche Personen sowie eine oder mehrere juristische Personen (Unternehmen) besitzen können. Je höher ein Mensch im Klassensystem verortet ist, desto breiter ist dessen Zugang zu unterschiedlichen Identitäten. Heath Buntings Status Project hat diese Klassensysteme des Menschen-Managements zum Inhalt. Für ein besseres Verständnis und mehr Beweglichkeit stellt er beispielsweise Karten her, die Einflusszonen verdeutlichen, oder macht persönliche Porträts.

Der Workshop an der VMK bietet eine Anleitung zur Konstruktion einer neuen Schweizer Identität. Dies Konstruktion einer Identität ist in Grossbritannien erlaubt – solange diese nicht zu illegalen Zwecken verwendet wird.

Heath Buntings Status Project, begonnen 2004, ist ein Expertensystem zur Veränderung von Identität.

Das Status Project zeigt, wie leicht und nahezu vollständig unsere Bewegungen und Aktivitäten aufgezeichnet werden können, wenn wir vermeintlich harmlose Daten wie Name, e-mail- und Postadresse, Kreditkarten- und Bankkontonummer usw. angeben, um z.B. einen Bibliotheksausweis oder eine Bahncard zu beantragen, einen Handyvertrag abzuschliessen oder etwas im Internet zu kaufen. Durch Abgleich und Kombination verschiedener Datenbanken wird jeder Person ein sozialer Status zugeordnet, der sich aus allen über diese Person verfügbaren Daten generiert – meistens ohne dass diese Person davon weiss. Dieser Status bestimmt buchstäblich den zukünftigen Handlungsspielraum dieser Person, off- und online.

Das Status Project besteht aus einer auf der Website irational.org zugänglichen Datenbank mit über 5000 Einträgen verschiedener Identitätsmerkmale. Aus deren Beziehungen untereinander generiert Bunting unter bestimmten Fragestellungen Karten von Netzwerken, die jeweils einen bestimmten sozialen Status dokumentieren.

Links
http://status.irational.org
http://irational.org/heath

Heath Bunting was born a Buddhist in Wood Green, London, UK and is able to make himself laugh. (currently, reduced to only smile) He is a co-founder of both net.art and sport-art movements and is banned for life from entering the USA for his anti genetic work. His self taught and authentically independent work is direct and uncomplicated and has never been awarded a prize. He is both Britain’s most important practising artist and The World’s most famous computer artist. He aspires to be a skillful member of the public and is producing an expert system for identity mutation. (Quelle: http://www.irational.org/heath/)

Heath Bunting (*1966) emerged from the 1980s committed to building open/democratic communication systems and social contexts. He came from the street up, passing through and often revisiting graffiti, performance, intervention, pirate radio, fax/ mail art and BBS systems to become an active participant in the explosion of the internet. He has produced many internet projects, some highly recognized, and has helped form a strong context for the practice of net.art. He has ventured into the field of genetics proclaiming it to be the next »new media«, and is also developing work in the area of physical network performance. His main ambition is to find a way to give it all up and live outside as God intended (Quelle: The Wonderful World of irational.org, Frankfurt am Main: Revolver 2006, S. 60).

28. Mai 2011

Infected, as not

Im digital brainstorming Podcast sprechen die VMK-Dozierenden Yvonne Wilhelm und Christian Huebler mit Dominik Landwehr von Migros Kulturprozent über ihr neues Projekt „Infected, as not“. Ausgehend von Erfahrungen mit macghillie wird es beim neuen undurchschaubaren Projekt um die Grenze zwischen Mensch und Tier gehen und um die Fragen, wie diese mit mentalen Infektionen bespielt werden kann.

www.digitalbrainstorming.ch/multimedia/audio/knowbotic-research

18. April 2011

Zwischen Art Direction und Artists in Labs

Der Fernsehsender Servus-TV hat vor kurzem VMK-Mitarbeiter Oliver „Olsen“ Wolf und seine Projekte vorgestellt. Dazu gehören seine Mitarbeit an der Ausstattung des Schweizer Science-Fiction-Films Cargo und sein derzeitige Teilnahme am Programm Swiss artists-in-labs.

Der Beitrag ist online abrufbar:
http://www.servustv.com/cs/Satellite/Article/gut-leben–011259337834373 (Start bei 21:00)

15. April 2011

Chewing the Scenery

Die Vertiefung Mediale Künste freut sich über die Teilnahme der Dozierenden Pauline Boudry und Eran Schaerf  an der diesjährigen Biennale von Venedig.

Pauline Boudry/Renate Lorenz, No future, 2011, 16mm/HD, 15 min

Schweizer Pavillon, 54th International Art Exhibition – la Biennale di Venezia

„Chewing the Scenery“ Pauline Boudry/Renate Lorenz, Maria Iorio/Raphaël Cuomo, Uriel Orlow, Eran Schaerf, Tim Zulauf/KMUProduktionen und Textbeiträge von Ann Cvetkovich, Mathias Danbolt, Antke Engel, Patricia Purtschert, Rubia Salgado und Anderen sowie zahlreiche Veranstaltungen in Kollaboration mit Karin Michalski, MOTHER (Dafne Boggeri, Noga Inbar, Nicole Emmenegger) und PhD in Practice / academy of fine arts vienna. Publikation in Zusammenarbeit mit Anna Frei und Georg Rutishauser, erscheint bei edition fink. Kuratiert von Andrea Thal

„Chewing the Scenery“ ist eine auf das späte 19. Jahrhundert zurückgehende Bezeichnung für Schauspielende, die sich in übertrieben melodramatischer Manier ihrer Rolle hingeben oder zu gerne und lange auf der Bühne bleiben. Im Rahmen der Ausstellung verweist der Bühnenausdruck auch beinahe literarisch auf die zum Herstellen von Auftritten verwendeten Mittel des Films und des Theaters. Zudem deutet „kauen“/“chewing“ auf ein ausgedehntes Verweilen hin, auf die Möglichkeit an klebriger Masse haften zu bleiben und sich in zäher, schleppender Bewegung zu befinden. Damit skizziert der Ausdruck die eigentlichen Voraussetzungen für eine genaue und sensible Betrachtung und das (un)freiwillige Verbleiben in einer ebensolchen Szenerie.

In Anlehnung an postkoloniale und queere Diskurse zu Zeitlichkeit und Chronopolitik beschäftigt sich „Chewing the Scenery“ mit Verzögerungen, Sprüngen und Unterbrüchen, Anachronismen und Dissonanzen als Ausgangslage für das Nachdenken über angebliche Vergangenheiten, potentielle Zukünfte und vermutete Gegenwarten in zeitbasierter Kunst und im Schreiben. „Chewing the Scenery“ ist ein mehrteiliges Projekt, das in und um das Teatro Fondamenta Nuove in Venedig stattfindet. Es besteht aus einer Filminstallation von Pauline Boudry/Renate Lorenz, einer installativen Dramatisierung von Tim Zulauf/KMUProduktionen, zwei Veranstaltungen im Juni und September mit Performances, Vorträgen, Screenings und Konzerten, sowie einer Publikation. Diese umfasst künstlerische Beiträge von Maria Iorio/Raphaël Cuomo, Uriel Orlow und Eran Schaerf sowie zahlreiche Texte und erscheint in drei überarbeiteten und erweiterten Auflagen.

Eran Schaerf, Wanderblog (Sequel #24), 2009

Teatro Fondamenta Nuove, Cannaregio 5013; Vaporetto Linie 42 und 52, Haltestelle: Fondamente Nove
Öffnungszeiten: 4. Juni bis 2. Oktober 2011, 10:00 – 18:00, Montag geschlossen
Veranstaltungen: 4. Juni 2011 und 7. – 10. September 2011

Quelle: www.chewingthescenery.net

23. März 2011

Catherine David zur Gast bei der VMK

Im Rahmen des Praxismoduls „Von der Praxis aus / Ausstellung als Praxis“ haben Dagmar Reichert und Eran Schaerf die Kuratorin Catherine David (u.a. Documenta 10, Di/Visions) eingeladen und sprechen mit ihr über ihre Praxis sowie über die Rolle von KulturproduzentInnen in der sich derzeit rasch verändernden arabischen Welt.

Das Gespräch findet statt am Dienstag, 29. März 2011, von 14.00 – 15.30 Uhr, in der Vertiefung Mediale Künste, Raum 1.7, Sihlquai 131, 8005 Zürich

24. Januar 2011

Wie gefährlich ist die Wahrheit?

Polit-Talkshow mit Felix Stalder, VMK Dozent, zu WikiLeaks

Die Online-Plattform WikiLeaks enthüllt weiter: Nach der Veröffentlichung hunderttausender vertraulicher Berichte des US-Außenministeriums Ende letzten Jahres outete sich kürzlich der Schweizer Banker Rudolf Elmer als WikiLeaks-Informant, und übergab dessen Gründer Julian Assange zwei CDs mit geheimen Kundendaten – nun zittert die gesamte Bankenwelt vor neuen Enthüllungen.

Was ist im Zeitalter der modernen Informationstechnologie überhaupt noch geheim, wie viele Geheimnisse braucht ein Staat oder eine erfolgreiche Diplomatie, wie gefährlich kann die Wahrheit werden, und ist totale Transparenz wirklich erstrebenswert? Über all diese und weitere Fragen diskutiert Moderator Johannes Willms beim aktuellen Talk im Hangar-7 mit Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Quelle: www.servustv.com

Eine Aufzeichnung der Sendung mit Felix Stalder vom 20. Januar 2010 liegt auf www.servustv.com.

14. Dezember 2010

Magnetismus und Medialität

Magnetismus – eine Kraft, die man nicht sieht. Kompasse – Instrumente, die Magnetismus in Orientierung ummünzen. Künstler – eine Art Kompasse oder Wahrnehmungsorgan für gesellschaftliche Veränderungen. Die Geschichte des Magnetismus ist auch die Geschichte seiner Medialität. Darüber und über die Wechselwirkung zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft hat Nils Röller ein anregendes Buch geschrieben: „Magnetismus – eine Geschichte der Orientierung“.

Nils Röller ist zu Gast bei Anne-Catherine Eigner.

Bei Radio LoRa auf 97,5 MHz
Nährwert Kultur am 17. Dezember 2010, 19 – 20 Uhr