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Dienstag, 20. April 2010

Ausstellung von Pauline Boudry und Renate Lorenz im Les Complices*

CHARMING FOR THE REVOLUTION
Pauline Boudry und Renate Lorenz
Eröffnung: Mittwoch, 21. April 2010, ab 18 Uhr
Ausstellung bis Samstag, 15. Mai 2010
Do – Sa: 14 – 18 Uhr

Setfoto aus "Charming for The Revolution", 2009

“Der Film ist charmant, aber immer noch Arbeit. Die Arbeit zu fordern, was schon längst uns gehören sollte.” (P.B. / R.L.)

Meist gefilmt auf 16mm, in einer Ästhetik, welche die Eigenständigkeit von Kamera, Musik, Kostümen und Requisiten betont, produzieren die Filme von Pauline Boudry und Renate Lorenz Performance als eine ”queere Archäologie”. Sie spüren vergessene historische Momente auf, in denen Verkörperungen und soziale Konstellationen jenseits von Normen sichtbar wurden.

CHARMING FOR THE REVOLUTION, eine Installation bestehend aus einer Serie von Fotografien und einem 16mm Film – produziert im Rahmen des Festivals “Live Film-Jack Smith”, Berlin 2009 – ist ein Manifest, das ”charmant ist, aber immer noch Arbeit”. Mit einem Augenzwinkern zu Jack Smith, dem New Yorker Underground Performer und Filmemacher der 60er bis 80er Jahre, aber auch zu der Geschichte queerer und feministischer Forderungen wie “Wages for Housework!” lässt dieser Film die “Hausfrau” als eine Figur uneindeutigen Geschlechts und offener Zukünftigkeit wieder auferstehen. Weitere Referenzen zirkulieren zum revolutionären Tier-Werden Deleuze-Guattaris, den von Walter Benjamin beschriebenen Dandys des 19. Jahrhunderts, die aus Protest gegen den Zeittakt der Industrialisierung Schildkröten an Leinen spazieren führten, bis zu Pasolinis ironisch-kapitalismuskritischem Film “Grosse Vögel, kleine Vögel”.

Les Complices*
Anwandstrasse 9
8004 Zürich
www.lescomplices.ch

Montag, 01. Juni 2009

Wir gratulieren Oscar zum Gewinn des Förderpreises der ZHdK für seine Diplomarbeit!

Genderfiktion

Performance von
De La Fuente Oscar De Franco,
Diplomarbeit Vertiefung Mediale Künste
Mentorierung: Eran Schaerf, Felix Stalder
28. Mai 2009, Vortragssaal ZHdK

“Die Evolution des Lebens, besonders die Entwicklung immer höherer Arten, hat mit dem Menschen nicht ihr Ende gefunden, sondern geht weiter. Der Unterschied zu früher ist aber der, daß nicht nur die Natur neue Arten hervorbringt, sondern daß mit dem Menschen zum ersten Mal auf diesem Planeten ein Wesen entstanden ist, das über soviel wissenschaftliches und technisches Geschick verfügt, daß es bewußt und gezielt neue Arten hervorbringen kann. Im Verlaufe einer bewußt und gezielt betriebenen Evolution könnten höhere Lebewesen entstehen, die intellektuell, kulturell, ethisch, ästhetisch und gefühlsmäßig /emotional soweit über uns Menschen stehen, wie wir über den Affen. So wie wir Menschen vereinfacht ausgedrückt ‘Transschimpansen’ sind, so würden diese Wesen ‘Transhumane’ sein. (Andere benutzen hier den Begriff ‘Post-Humane’.)”
Peter Möller, 1999, Was ist Transhumanismus?

Genderfiktion

Solche Ansichten sind weniger ungewöhnlich als sie das vielleicht scheinen. Wir begegnen ihnen immer wieder. Sie werden von seriösen Wissenschaftlern wie von spekulativen Science Fiction Autoren, von globalen Konzernen und auch von d.i.y. Bastlern, von optimistischen Techno-Enthusiasten wie auch von pessimistischen Kritikern geäussert. Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, und nicht einfach die Ansichten eines Lagers übernimmt, begibt sich in eine Grauzone von Wissenschaft und Fiktion, in der Utopien und Dystopien kaum noch voneinander zu trennen sind. Diese Ideen beziehen ihre Kraft nicht zuletzt dadurch, dass sie uralte Mythen (etwa: ewige Jugend) in eine gegenwärtige Form bringen und damit tiefe Sehnsüchte und Wünsche der Menschen ansprechen.

Die Performance Genderfiktion bewegt sich durch diese Grauzone und lotet das Spannungsfeld der körperlichen Perfektionierung und der Entstehung eines neuen Menschenbilds aus.

Genderfiktion

Donnerstag, 16. April 2009

Pauline Baudry/Renate Lorenz: Salomania

29. April – 23. Mai 2009
Les Complices*, Anwandstrasse 9, 8004 Zürich

Salomania rekonstruiert einen Tanz: Den Tanz der Sieben Schleier aus dem Stummfilm Salomé von Alla Nazimova aus dem Jahr 1923. Gezeigt und geprobt werden auch Ausschnitte aus Valda’s Solo, das die Choreographin und Filmemacherin Yvonne Rainer 1973 entwarf, nachdem sie Nazimovas Film gesehen hatte. Die Installation beschäftigt sich mit Salome als einer Transgender-Figur und mit dem Motiv einer queeren Aneignung des Exotischen. Performer_innen sind Wu Ingrid Tsang und Yvonne Rainer.

Salomania, Film und Installation

Salomania, Film und Installation

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine Welle der Begeisterung für die Figur der Salome, die bald den Namen ‘Salomania’ erhielt. Frauen trafen sich und imitierten den Tanz der Sieben Schleier. Eine Reihe von Tänzerinnen wurde mit Darstellungen der Salome berühmt. Die Figur der Salome stand für unternehmerische Unabhängigkeit und sexuelle Freiheit und wurde zudem zu einer Ikone ‚sodomitischer’ Subjektivität.

Das Skript des Stummfilms Salome basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Oscar Wilde und folgt der biblischen Geschichte der jüdischen Prinzessin Salome. König Herodes begehrt seine jugendliche Stieftochter Salome. Sie wiederum interessiert sich für den Missionar, Johannes (den Täufer), der sie jedoch zurückweist. Sie entspricht dem Wunsch des Herodes, für ihn zu tanzen, und fordert als Lohn den Kopf des Johannes, der ihr auf einem Tablett präsentiert wird. Sie küsst den abgeschlagenen Kopf.

Die Installation Salomania greift Motive des Stummfilms wie die Choreographie der Blicke, das aktive Begehren von Salome und die Figur des Schleiers auf. Aber auch Elemente des Art Deco, die der Film zelebriert: Dieses vorherrschende Design der 20er und 30er Jahre verwendete moderne Werkstoffe und Bilder technologischen Fortschritts. Warum mischte es sie jedoch mit Materialien und Bildern des ‘Orientalischen’ wie Straußenfedern oder Palmen?

Während die entstehenden Bilder des ‚Fernen’ und des Technologischen als Teil kolonialer Politiken betrachtet werden können, die Betrachter_innen mit der ‘Fremdheit’ der Kolonien weiter bekannt machen und koloniale Vorherrschaft rechtfertigen sollen, wurden sie im Film Salomé zugleich transformiert. Sie sind hier als Bilder etabliert, die weibliche, queere oder Transgender-Phantasien erlauben: ein Raum zwischen den Geschlechtern und zwischen Orient und Okzident erscheint möglich.

Pauline Baudry ist Dozentin in der VMK.

Öffnungszeiten der Ausstellungen
Do, Fr, Sa: 14 – 18
und nach Vereinbarung über die Nummer 076 367 83 73 (Andrea Thal) oder info@lescomplices.ch
www.lescomplices.ch