Semesterprojekt

Max Daetwyler / Patrick Kull, 2011

Am Anfang steht eine Fotografie von Max Daetwyler aus dem Jahr 1933, die den bekannten Schweizer Pazifisten bei einer Rede in Zürich zeigt. Zur gleichen Zeit war auch Bertold Brecht in der Stadt. Ein Super-8-Film zeigt eine Zusammenarbeit Daetwylers mit Brecht elf Jahre später. Aus Resignation über den wütenden Weltkrieg verbrennt Daetwyler darin seine weisse Fahne während Brecht aus dem Off sein Gedicht "An die Nachgeborenen" rezitiert.

Bereits 1924 hatte Daetwyler im Kreml Lenin getroffen, der bekanntlich einen Teil des ersten Weltkrieges in Zürich verbracht hatte. Von der Begegnung im Kreml existiert ein Bild. Ein Interview, das Patrick Kull mit dem Enkel des damaligen Fotografen führte, verrät weitere Details der Begegnung.

Kull, der wie ein Briefwechsel belegt bereits 1991 mit Harald Szeemann eine ähnliche Ausstellung geplant hatte, vervollständigt sein Daetwyler-Panoptikum durch weitere Dokumente, die vom Austausch mit so unterschiedlichen Figuren der Zeitgeschichte wie Leo Tolstoi und Adolf Hitler zeugen, und Daetwyler-Portrait des Zürcher Malers Theo Dannecker.

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der ZHdK

Aus der Beründung der Jury:

Mit der Arbeit “Max Daetwyler” gelang Patrick Kull, Vertiefung Mediale Künste, eine historische Fiktion, in der die Grenzen zwischen Dokumentarischem und Fiktionalem fliessend sind. Mit wenigen Ausnahmen verändert Kull das vorliegende historische Material und konstruiert aufgrund von Tatsachen und Möglichkeiten neue, fiktive Situationen. Die Arbeit ist getragen von einem subtilen Humor, sowohl was die historische Imagination, wie auch die formale Umsetzung betrifft.

Tags: Installation, Politik, Portrait, Schweiz