ES HEULT DER WOLF, ES PFEIFT DER FUCHS, DIE SCHWARZEN HUNDE BELLEN / Up State, Flüelastrasse 54, 2014

Die Ausstellung ist eine experimentelle Formulierung des Materials, das ausgehend von einer Dokumentation von Kunst- und Kulturtagen in einer Jugendstrafanstalt entstanden ist. Auf einer Tischfläche sind Dokumente, Fotografien, Texte, Laptops mit Foto-, Audio- und Videodateien und Objekte, die die Gefangenen hergestellt haben, angeordnet. Auf einen ersten Blick konzentriert sich die Arbeit auf das Ausstellen eines rasternden Staatsapparates und die Bedingungen, Funktionen und das Funktionieren von ›Kunst‹ und ›Kultur‹ in diesem, um allerdings gleichzeitig die subversiven Momente und Potenziale, die in so einem Setting aufblitzen können, zu fokussieren. Obwohl immer mit realen Personen gearbeitet wird, werden sie dabei nicht als ›die Anderen‹ konstruiert und identitär festgestellt, aber auch nicht ins Unbedeutende verallgemeinert und abstrahiert. Vielmehr geht es um ein Dazwischen, um Singularitäten und die Möglichkeit von Veränderung. Die Arbeit entwirft einen anderen Blick auf starre verherrschaftete Orte einer Gesellschaft, an denen ›das Abnormale‹ verwaltet wird und normalisiert werden soll. Der Fokus liegt dabei auf der Normalität im ›Abnormalen‹ und der Sichtbarmachung von entsprechenden Prozessen, die über keine oder nur marginale Sicht-, Hör- und Sagbarkeit verfügen. Während der Öffnungszeiten der Ausstellung ist immer mindestens eine Person der AutorInnen bei der Arbeit, um die Zugänglichkeit zu vergrössern, sensible Stellen zu schützen und vor allem um das Ausstellungs- und Rezeptionsformat um ein ständiges prozesshaftes Aufführen der Arbeit zu erweitern. Für die Besuchenden und die AutorInnen gibt es immer die Möglichkeit, die Arbeit zu verändern, weiter zu arbeiten. Diese Praxis wird durch verschiedene Anlässe des reading the archive unterstützt, welche die AutorInnen als Aufführung beginnen, in der sie sich durch das Material arbeiten, eine Linie durch das Material ziehen, eine Spur legen, um Einarbeitung und Ansteckung zu ermöglichen.

Tags: Ausstellung, Lecture